Unser Roadtrip durch Australien

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In Darwin angekommen startete unser grosses Campingabenteuer. Den ersten Tag verbrachten wir in Darwin und noch ohne Camper an der Promenade am Wasser, bevor es dann am 2. Tag mit unserem mini Camper losging. Nachdem unser Vorbesitzer unseren eigentlichen Camper zu Schrott gefahren hat, mussten wir auf das Mini-Model downgraden. Mit der Zeit bekam er den Namen «Booty call», dies aufgrund seiner Aufschrift was uns zur grossen Attraktion machte :) Immer wieder wurden wir von Leuten anhand unseres Autos erkannt und angesprochen. Eines Abends als wir bereits im Bett waren, haben Personen sogar Fotos vom Auto gemacht! Nachdem wir unseren Booty Call also abgeholt hatten, gings los in Richtung Süden. Unser 1. Stopp war der Litchfield Nationalpark ca. 200km südlich von Darwin. Bereits auf unserer ersten Route merkten wir, dass unser Fahrzeug sehr durstig ist und im Durchschnitt 14 Liter auf 100km nimmt. Ausserdem reichte ein voller Tank gerade mal für 300km! Bei der 1. Tankstelle lernten wir dann bereits einen vor 40 Jahren ausgewanderten Schweizer aus Ostermundigen kennen :) Dieser Nationalpark hat uns sehr gut gefallen und ist noch heute einer der Lieblingsspots von Mikael. Im Litchfield Nationalpark gab es viel zu sehen, jedoch waren einige Attraktionen aufgrund der Regensaison geschlossen. Hier im Norden reisen wir noch in der Regenzeit, sprich in der Nebensaison. Beides hat Vor- und Nachteile. Für uns war der Nachteil, dass einige Attraktionen geschlossen hatten, dafür war alles schön grün und nicht braun wie in der Hauptsaison wo es kaum regnet. Und es hatte sehr wenig Touristen :) Hier im Park sahen wir Termitenhügel, Wasserfälle und konnten auch in sogenannten Rock-Pools baden. Dies war immer eine willkommene Abkühlung bei Temperaturen um die 40°C. Hier im Norden ist es zu empfehlen, dass man nur an den klar gekennzeichneten Orten badet wo es sicher ist, sonst könnte es rasch passieren, dass man einem Krokodil begegnet.

Hier im Nord-Westen von Australien geht die Sonne früh unter und man sollte aufgrund des Tierreichs (speziell der Kängurus und Wallabys) nicht nach Sonnenuntergang fahren. Dies bedeutete, dass unsere Tage immer sehr früh ausgerichtet waren. Spätestens um 17:00 musste man bei einem Campingplatz eingecheckt haben um dann noch einkaufen zu gehen und um noch bei Tageslicht ein Essen auf dem Tisch zu haben. Und bereits um 8 Uhr abends war es oft totenstill und alle waren im Bett 😀 Unsere 1. Nacht mit dem Camper haben wir im Litchfield Nationalpark verbracht. Dies war ein spezielles Erlebnis, da wir die einzigen Gäste waren. Geduscht habe ich in der Anwesenheit von vielen verschiedenen Insekten und beim Abendessen haben uns die einheimischen «Rasenmäher» (Wallabys) und einige Vögel besucht. Die nächsten Tage ging unsere Route weiter südlich. Die genaue Route könnt ihr auf der Karte verfolgen. Unsere Route durch den Nordwesten von Australien war vor allem mit vielen Tagen auf den Strassen geprägt. Wer schon mal in Australien war, weiss, dass die Wege hier lang sind. Manchmal sind wir einfach den ganzen Tag nur gefahren und haben bei dem einten oder anderen «Roadhouse» gestoppt. Roadhouses sind Tankstellen mit Shop und Verpflegungsmöglichkeiten und oftmals auch mit angrenzendem Campingplatz mitten im Nirgendwo. Nicht selten kommt es vor, dass in beiden Richtungen für 300km nichts aber auch garnichts kommt. Die Wahl wo und zu welchem Preis man tanken will stellt sich hier also nicht :)

Kurz vor der Grenze vom Northern Territory nach Western Australia machten wir noch bei einem riesen Stausee dem Lake Argyle halt. Viele Worte braucht es nicht um diesen schönen Ort zu beschreiben. Seht am besten einfach selbst! Beim Grenzübergang mussten wir dann auch alle Früchte und Gemüse abgeben. Dies ist hier ganz normal da die Vorkehrungen zur Vorbeugung von Schädlingen sehr streng sind. In Fitzroy Crossing haben wir Robert Götsch von Berlin kennengelernt. Er war für 3 Monate in Australien mit dem Velo unterwegs! Er hat auf seiner Velotour ziemlich genauso viele Kilometer mit dem Velo zurückgelegt wie wir mit dem Auto. Auf demselben Campingplatz hat Mikael auch eine tolle Bekanntschaft mit den einheimischen Fröschen gemacht. Die leben dort gut und gerne auf und in den Toiletten 😛

Broome war der erste Ort wo wir das Gefühl hatten wieder in der Zivilisation angekommen zu sein. Eine ganz tolle Ortschaft an der Westküste. Ab hier waren wir nun effektiv an der Westküste unterwegs und somit in der Hochsaison. Dies hat man dann auch gemerkt vor allem je südlicher man kam. Broome haben wir so richtig genossen und haben uns 2 Tage lang von den langen Fahrten im Auto erholt. Der Pool auf dem Campingplatz war super und die Stadt selbst lud zum Verweilen ein. Am Gaunthemepoint würde man bei Ebbe sogar 150 Millionen Jahre alte Dinosaurierfussabdrücke sehen, doch leider war gerade Flut.

Von Broome bis Port Headland hatten wir nochmals einen Autotag vor uns. 613km und nur ein Roadhouse dazwischen. Bis zum Sandfire Roadhouse waren es 320km und wir waren nicht sicher ob unser Booty call dies schafft. 5km vor der Tankstelle hat er dann auch zu jammern begonnen. Dies zeigte sich in ruckartigen Bewegungen. Zu unserem Glück hats noch gerade so bis zur Säule gereicht.

Als nächstes Stand der «Karijini» Nationalpark auf dem Programm. Hier konnten wir leider nur einen kleinen Teil des Parkes sehen, da für den grössten Teil ein 4-Rad Antrieb gebraucht wird. Dies ist an der Westküste definitiv zu empfehlen und würden wir das nächste Mal auch so machen.  Wie immer war die Aussicht fantastisch, aber wir wollten auch die Wasserfälle weiter unten sehen. So gingen wir die 800 Meter nach unten zu den Fällen und später dann natürlich auch wieder hoch :) Eigentlich wollten wir in dem See vom Wasserfall baden gehen, doch hier war die Ausschilderung nicht so klar ob dies nun schlau ist oder nicht. Ich hatte ein etwas mulmiges Gefühl, da Krokodile hier wirklich immer präsent sein können. So gingen wir also nur kurz in sofort wieder aus dem Wasser 😛

Weitere 2 Tage verbrachten wir in Exmouth und dem dazugehörenden Cape Range Nationalpark. Dies war einer meiner Lieblingsorte in Australien. Der Cape Range Nationalpark ist so gross, dass wir 2 Tage einplanen mussten um das wichtigste zu sehen. Auf dem Campingplatz haben uns die Emus besucht und wir waren das erste Mal von vielen Schweizern umgeben. Sozusagen hatte es fast nur Schweizer auf dem Campingplatz :)

In Nationalpark haben wir eine Wanderung zu einer Schlucht gemacht. Dies war ganz cool und wir haben auf dem Rückweg auch noch Rockwallabys gesehen. Die sind viel kleiner als die eigentlichen Wallabys und leben in den Felsen, daher auch der Name Rockwallaby. Am Abend sind wir zum Leuchtturm gegangen und haben uns den Sonnenuntergang am Strand angeschaut. Dies war hier in Australien das erste und letzte Mal wo wir nach Sonnenuntergang noch Auto gefahren sind. Es war Horror! Alle 5 Meter waren Kängurus oder Wallabys an der Strasse und man musste richtig aufpassen um sie nicht zu überfahren. Diese Empfehlung ist also wirklich ernst zu nehmen. Am nächsten Tag sind wir trotz der kühlen Wassertemperaturen schnorcheln und baden gegangen. Hier in Richtung Süden wurde das Wasser immer kühler und war somit vor allem für Mikael nicht mehr ein Genuss.

Coral Bay ein wunderschöner Ort an dem wir leider zu wenig Zeit hatten zum Relaxen. Coral Bay ist ein kleines Dörfchen unterhalb von Exmouth mit ca. 250 Einwohner. Von Anfang bis Ende des Dorfes ist man in ca. 10 Minuten gelaufen und es hat 2 Restaurants und eine Bar, ein Lädeli und eine Bäckerei. Dennoch ist Coral Bay ein beliebter Touristenort, auch unter den Australier. Warum weiss man wenn man die Fotos anschaut. Selten sieht man ein so toller, klarer Strand mit türkisblauem Wasser. Gerne wäre ich noch länger geblieben.

Auf der Fahrt nach Denham hat Mikael etwas Pech gehabt. Neben all den tausend Insekten und Schmetterlingen die man täglich wohl oder übel mitnimmt, kamen heute noch 3 Vögel dazu. Der Abdruck des Federkleides konnte man danach noch auf der Scheibe sehen :/ Denham war nur unser Gateway zu Monkey Mia. Wir haben dort übernachtet, da wir am nächsten Tag früh los mussten um die Delphine in Monkey Mia zu sehen. Die leben dort sehr nahe an der Küste und jeden Morgen wird von den Rangern ein Programm für die Touristen durchgeführt. Sofern die Delphine möchten können sie am Morgen zur Fütterung in die Bucht kommen. Die Fütterung passiert von ausgewählten Touristen und wird nur maximal 3x pro Morgen durchgeführt. Dies aber auch nur wenn die Delphine freiwillig an den Strand kommen. Jeder Delphin bekommt aber maximal 500 Gramm pro Fütterung, da man sie nicht davon abhängig machen will. Sie sollen ja trotzdem noch in der Wildnis jagen gehen. Ich hatte Glück und wurde für eine Fütterung ausgewählt. Ein wirklich tolles Erlebnis. Auf dem Weg nach Kalbarri haben wir noch beim «Shell Beach» und bei den «Stromatolites» angehalten. Der Shellbeach ist wirklich und wahrhaftig nur von Muscheln bedeckt. Stromatolites sind sogenannte Lebewesen die wie Steine aussehen und wachsen an der Küste. Bei Ebbe kommen sie dann zum Vorschein.

Der Kalbarri Nationalpark war auch ein Highlight auf unserem Roadtrip. Hier mussten wir das erste Mal die Regel brechen und unseren Booty call über eine nicht gepflasterte Strasse fahren. Dies wäre eigentlich nicht erlaubt und wir fühlten uns bei dem Gerappel und Geruckel auch nicht so wohl. Ich fühlte mich wie in einem Schüttelbecher 😛 Dennoch war dies notwendig, da die Hauptattraktion des Parks, das «Nature Window» nur über diese Strasse zu erreichen war. Nach weiteren Lookouts gings nach Geraldton. Dort haben wir ein Schweizer-Paar zum 3. Mal wiedergetroffen. Manchmal ist die Welt echt klein. Da an diesem Tag Australia Day war gingen wir am Abend zum Hafen um das Feuerwerk anzuschauen.

Nun kamen wir bereits näher zu Perth und wir wollten auch den Pinnacles Nationalpark besuchen. Leider hat uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht, da auf unserem Weg nach Lancelin ein Buschfeuer ausgebrochen war. Somit war die Strasse durch die Pinnacles geschlossen. Da die Buschfeuer hier oft mehrere Tage andauern, konnten wir dies auch nicht verschieben.

Auf dem Weg nach Perth haben wir noch einen Abstecher in den Yanchep Nationalpark gemacht. Hier gab es einen schönen Weg rund um den See und wir haben viele Kängurus gesehen. Auch Koalas gab es dort, aber leider waren diese nur in Gefangenschaft. Koalas in der Wildnis gibt es in Australien nur im Osten.

Perth – unsere letzte Destination an der Westküste und Horror mit dem Auto. Doch wir wollten noch nicht von unserem Booty call Abschied nehmen und haben ihn bis zum letzten Tag behalten :) Hier hatten wir noch 4 Tage übrig um Perth und die Umgebung zu erkunden. Perth ist eine tolle Stadt und bietet einige tolle Sachen zum Anschauen. Das Northbridge Quartier ist toll zum ausgehen und Abendessen. Dort sind wir sogar 2x gewesen. Der Scarborough Beach lädt zum Baden ein, obwohl das Wasser auch hier nicht so warm ist. Hier hat Mikael endlich seine erste Surflektion genossen. Leider hat es während diesen 2 Stunden geregnet und ich habe mir im Regen mit der Kamera am Strand den A*** abgefroren. Was man nicht alles macht für die Liebe :) Der Kings-Park in Perth ist absolut ein Must-do wenn man in der Stadt ist. Ein grosser Park mit Aussicht auf die Skyline von Perth. Natürlich durfte auch ein Besuch in einem Escape-Room nicht fehlen. Es war nicht der tollste Raum, aber das erste Mal wo wir ausgebrochen sind :) Wenn man in Perth ist, sollte man unbedingt auch nach Freemantle gehen. Die Stadt liegt nur 30 Minuten südlich von Perth und ist eine tolle, kleine Küstenstadt. Hier gibt es ein stillgelegtes Gefängnis welches wir besichtigen gingen. Die Tour war sehr interessant und gleichzeitig schockierend, wenn man weiss was dort für Zustände herrschten und dies bis zur Schliessung in 1991! Seht es euch selbst an.

Der 1. Februar war unser letzter Tag in Perth und wir haben schweren Herzens unseren Booty call zurückgebracht. Vorher liessen wir ihn aber noch fachmännisch reinigen und polieren. Dies wird hier oft in den Tiefgaragen von Shoppingcentern angeboten. Für 50.- kann man sein Auto während dem Einkaufen blitzblank putzen lassen. Eine tolle Erfindung! An unserem letzten Abend haben wir uns noch ein Bier in einer Rooftopbar in Perth gegönnt, Karten geschrieben und mit einheimischen geplaudert.

Wir blicken zurück auf einen tollen, abenteuerlichen und unvergesslichen Roadtrip im Westen von Australien. Wir haben in 3 Wochen 7035km zurückgelegt und viele tolle Orte kennen- und lieben gelernt. Gerne werden wir wieder an diese tollen Orte zurückkehren und beim nächstem Mal vielleicht etwas mehr offroad von der Natur sehen. Wer die Natur liebt kommt hier im Westen von Australien definitiv nicht zu kurz!

 

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